Archiv des Autors: Frederik

Von Tuttlingen nach Hausen

Der heutige Tag war landschaftlich sehr schön. Wir sind über Nenndingen, Friedingen und Beuron nach Hausen gekommen. Leider haben wir in Tuttlingen vergessen, den Schlüssel für die Duschen wieder abzugeben. Müssen wir also bald nochmal zur Post. Der Pfand ist dann wohl für die Kaffeekassse.

Kurz hinter Friedingen machen wir ein Picknick beim Vesperstübchen Ziegelhütte (argh, Mittwochs Ruhetag). Es gibt also mitgebrachten Apfel und Restmelone. Über die geschlossene Gastronomie trösten uns die Gänse und Ziegen hinweg. Stellt sich raus, Melonenschale schmeckt den Ziegen nicht so gut.

Der lange Tag

Gestern haben wir viel erlebt. Wir kaufen im (wie gesagt in Deutschlanda umsatzstärksten) Edeka noch für den Tag und verlassen Jestetten.

Wir sehen den Rheinfall. Er ist toll, aber längst nicht so breit wie der Wasserfall in Kuldiga.

Danach verlassen wir bei Schaffhausen den Rhein, und fahren mit dem Zug. Wir kommen nur zehn Minuten vor Abfahrt an und schaffen es dennoch die Räder aufs richtige Gleis und gültige Tickets zu erwerben. In Singen schaffen wir es dann auch noch in weniger als 18 Minuten und trotz defektem Aufzug das Gleis zu wechseln und die Kinder zu wickeln.

Nun mit dem Regio also nach Donaueschingen zur Donau-Quelle. Die Quelle ist ein touristisches Becken mit ein bisschen Tand und einen Aufzug. Wir machen das obligatorische Foto und fahren weiter. Wir bemerken, dass wir jetzt offenbar im Schwarzwald sind.

Dem Gegenwind zum trotze fahren wir weitere 30km bis hinter Immendingen zur Donauversinkung. Hier verschwindet die Donau an etwa 150 Tagen im Jahr in ein weit reichendes Höhlensystem. Heute war nicht so ein Tag. Motti findet es klasse und wirft ordentlich Steine rein.

Zum Abendessen gibts selbst gemachtes Risotto a la Zelting. Die Kinder essen kräftig mit. Die Biene findet Brei längst nicht mehr spannend. Abends schlafen wir auf einem sehr netten Radlerrastplatz, wo tatsächlich auch Saitanburger angeboten werden….

Es geht wieder los

In aller herrgottsfrühe sind wir aufgestanden. Nach Titel Frühstück und nachdem die letzten Sachen eingepackt wurden (Zahnbürste, Püppi), fuhren wir mit dem Zug nach Berlin-Schönefeld.

In mühevollster Kleinstarbeit, wird nun das Gepäck flugbereit gemacht. Die Fahrradreifen verlieren etwas an Luft, wegen des Drucks im Flieger und die Pedale kommen auch ab.

Andere nehmen derweil ein kleones Frühstückchen ein. Das Bienchen sitzt im Tragetuch und schläft.

Wir sind gut in der Zeit. Gleich fliegen wir los.

Tallinn (Handarbeiten – Handicraft- Käsitöö)

In Talinn schlafen wir im Hotel und wollen uns so langsam wieder wie echte, normale Menschen vorkommen. Dass wir mit Campingausrüstung und dreckiger Kleidung in der Hotellobby aufkreuzen und fragen, ob man denn die Fahrräder auch irgendwo drinnen unterbringen könne, gibt natürlich sehr konsternierte Gesichter. Aber das Personal hat scheinbar früh gelernt, dass man hier Haltung bewahren muss. Wir wechseln schnell von Outdoorkleidung in „normale“ Kleidung und gehen zur Abwechslung mal zu Fuß.

Das Thema Handarbeit hat uns in Estland lange begleitet. Jedes Dörfchen verkauft etwas in seinem Touristeninformationsbüro. Es gibt wunderschöne Wollsocken, Handschuhe, Mützen und Schals in den tollsten Mustern.

In Tallinn ist sogar jeder zweite Laden so ein Souvenir- & Handarbeitengeschäft. Jannah spielt Memory mit sich selbst und erkennt die gleichen Produkte überall wieder. Ob die wohl wirklich alle mit der Hand und in Estland gefertigt wurden?
Nebenher gucken wir uns natürlich auch die Altstadt an und unzählige deutsche Touristen. In Talinn bleiben wir zwei Nächte und am ersten Tag finden wir ein tolles vegetarisches Restaurant. Ich esse brav einen Salat und Jannah bestellt sich eine Marokkanische Suppe mit Lammfleisch. Zum Nachtisch wähle ich einen Schokokuchen, der so schokoladig ist dass er durch die Schlagsahne obenauf leichter wird.

Motti badet voller Freude in einer echten Badewanne und geht früh schlafen. Ich recherchier, was man in Talinn am nächsten Tag (ein Montag) noch so sehen könne und finde ein spannendes Museum.
Am nächsten Tag gibt es dann einen Park zu sehen in dem viele Museen sind (Montags geschlossen). Wir spazieren außerdem durch die Altstadt und essen nochmal estnisches Essen. Parallel laufen viele Leute hektisch und schnell mit Karte durch die Gegend. Aber das sind gar keine Touristen! Die Meisterschafen für Orientierungslauf sind in Tallinn.Am Ende des Tages gehen wir früh ins Bett, denn der Flieger geht schon früh um 13:55 Uhr und da will einiges vorbereitet sein.

Am nächsten Tag müssen wir nach schnellem Frühstück wieder alles auf die Fahrräder laden und finden einen ziemlich verkehrsarmen Weg zum Flughafen. Ich schiebe Motti durch die Gegend und Jannah baut unsere Fahrräder um: Die Lenker werden um 90° gedreht, der Sattel muss runter und dann wird Luft aus den Rädern gelassen. Ich organisiere Altpapierkartons aus dem Müll und Frischhaltefolie aus dem nahegelegenem Superhypermarkt (er ist wirklich riesig). Dann wird alles eingewickelt.

Unser Gepäck wird eingecheckt, dann wird unser Sperrgepäck eingecheckt. Dann stellt sich raus, dass unser Fahrradwerkzeug nicht mit an Bord darf und Jannah schafft es unseren „Koffer“ zurück holen zu lassen, damit wirklich nichts und niemand im Flugzeug mit einem Zangenschlüssel geschraubt wird.
Motti schläft im Flieger erstaunlich gut und nach nur fast zwei Stunden landen wir in Berlin-Tegel. Hier verbringen wir eine gute Stunde mit dem Auspacken und erneutem Beladen unserer Fahrräder.

IMG_20160809_162858Der Weg von Tegel ist sehr autofreundlich, so dass wir versuchen durch das Parkplatz- & Privatgelände eines Hotels auf einen weiter hinten gelegenen Fahrradweg zu kommen. Die Fußgängerschranke ist allerdings so eng und fies gebaut, dass wirklich nur Fußgänger durchkommen. Also laden wir wieder ab und tragen unsere Räder über die Schranke.

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Schlussendlich kommen wir zu Hause an und entladen unsere Räder wirklich zum letzten Mal. Zum Abendbrot gibt es ausnahmsweise Nudeln mit roter Soße und dann geht das Kind baden. Unsere Wohnung versinkt im Chaos und es gibt viel aufzuräumen aber wir sind total froh wieder hier zu sein.

Dinge die wir auf unserer Reise verloren haben

  • Jannahs Mütze
  • Frederiks Handtuch
  • jegliche Vorurteile gegenüber Osteuropa

Abschied vom Meer

Der Weg von Paldiski bis Tallinn ist kurz, aber wir wollen noch eine Nacht am Meer verbringen. Also vertrödeln wir die Zeit mit Einkaufen und besichtigen einen Wasserfall. Außerdem treffen wir mal wieder auf andere Reiseradler und es wird etwas gefachsimpelt. Die Packung Haferkekse esse ich (Frederik) fast ganz alleine.

Dann finden (samstagabends) den letzten Zeltplatz vor Talinn, an einem Strand.
Nachdem wir froh sind, dass es gar nicht so voll ist bauen wir zügig das Zelt auf und stellen es in den Wind, damit wir es zum Schluss nochmal gut durchlüften können. Ebenso hängen wir unsere Wäscheleine auf, damit unsere feuchte Kleidung (Jannah hatte am Vortag gewaschen) endlich trocknet.
Erst als alles aufgebaut ist, stellen wir fest, dass wir etwas falsch stehen. Der Tatsächliche Platz ist circa 500m weiter rechts, auf der anderen Seite der Straße. Aber das macht jetzt nichts mehr.

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Weiter hinten am Strand gibt es ein Strandcafé und Jannah bemerkt, dass jemand verdächtig viel Styroporkartons mit Gefriergut auslädt. Bei weiteren total unauffälligem Rundgängen meinerseits stellt sich heraus dass hier heute abend ein vierzigster Geburtstag gefeiert wird. Jannah und ich genießen den letzten Sonnenuntergang am Meer mit alkoholfreiem Dunkelbier und Partymusik von nebenan. Eine Live-Band spielt Rock-Klassiker mit Estnischem Text. Jannah glaubt „Rolling on the River“ erkannt zu haben. Nachts um zwei wird dann nochmal lautgedreht und auf Techno umgestiegen. Schade eigentlich.

Paldiski

Nachdem wir ausführlich die Natur gesehen haben, führt uns unsere Strecke mal wieder durch eine Stadt. In Paldiski stoßen wir auf eine sehr, sehr traurige, heruntergekommene Stadt, die nur noch von ihrem (seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht mehr so bedeutungsvollem) Hafen und dem Armeestützpunkt lebt. Letzteres erklärt immerhin die vielen lauten Kampfflugzeuge, der vorherigen Tage.

Paldiski lädt, wie gesagt, zum weiterfahren ein. Das Café, das unsere Karte kennt gibt es nicht mehr, so dass ich (Frederik) kurz einkaufe und wir weiterfahren wollen. Aber halt! Wir entdecken das Schild für ein Museum und finden das sehr schöne ehemalige Sommerhaus eines berühmten Estnischen Bildhauers mit Garten. Nach kurzer Besichtigung des Hauses (nur 65m²) machen wir ein ausgiebiges Picknick im Garten und Motti probiert ob die heruntergefallenen Äpfel schon essbar sind (leider nicht).

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Auf einmal kommt die junge Frau, die das Museum beaufsichtigt und fragt ob sich zufällig einer von uns mit Computern auskennt, denn ihr Internet geht nicht. Ich prüfe heldenhaft ob ihr Netzwerkkabel richtig drin steckt und schon geht es wieder. Zur Belohnung gäb es einen der besseren Äpfel (ich lehne ab) und sie empfiehlt uns auf jeden Fall bis zum Meer rauszufahren, weil die Halbinsel hinter Paldiski eine sehr schöne Natur bietet.
Genau das haben wir auch vor!

Als nächstes geht’s also wieder in Richtung Küste. Neben weiterem MIlitärsperrgebiet sehen wir den Leuchtturm und ein einsames Café mit schönem Blick aufs Meer. Die Fahrradstrecke wird dann doch nochmal anstrengend, und wir schieben unsere Räder ächzend durch Sand und werden von Mücken verfolgt. Am Ende werden wir allerdings belohnt: Unser Naturzeltplatz ist wieder direkt am Meer und sehr einsam. Ich baue das Zelt auf und dann beginnt der Regen, so dass wir mit Motti ins Zelt fliehen und dort etwas spielen. Nach etwa einer Stunde setzt der Regen aus und wir können mit unserem gewohnten Programm weitermachen.

Kurz nachdem wir aus dem Zelt gekrochen kommen, erhalten wir allerdings doch noch Besuch. EIn Deutsch-Französisches Paar aus der Bretagne bzw. Gevelsberg, die soeben aus Tallinn gekommen sind und ebenfalls sehr über den Weg fluchen.
Jannah macht währenddessen ein Lagerfeuer und es gibt Nudeln. Dann wird Meerwasser im Kochtopf erwärmt, damit das Kind baden kann und die Nachbarn gehen früh schlafen.

Als alle anderen im Bett sind, entscheiden Jannah und ich nochmal ein letztes Mal ins Meer zu springen und uns am Lagerfeuer aufzuwärmen. Das Meerwasser ist angenehm und die Mücken freuen sich auch.

In Riga

Heute gibt es gleich zwei Artikel von uns, gestern (jetzt schon vorgestern) sind wir nur noch ins Bett gefallen.

Heute also Riga. Das Frühstück war heute besser und wir überlegen, was mit der Stadt anzufangen ist.

Ich möchte auf dem Zentralmarkt ne Sonnenbrille erstehen und scheitere. Stattdessen gibts Kwas vom Fass und Kirschen. Viele leckere Kirschen.

Hier sieht man Freddy und Motti, die sich hinter eine Gruppe deutscher Touristen verstecken. In Riga legen nämlich die Kreuzfahrtschiffe an.

Das 5€-Tragesystem in Aktion, für einen schnellen Museumsbesuch reicht es so gerade:

Dann gehen wir den Fluss entlang durch einen Park. Motti krabbelt fröhlich über die Wiese. Danach sehen wir uns im Museum für Jugendstil eine alte Wohnung an die uns sehr an Berliner Altbauwohnungen erinnert. Herrlich!
Wir kaufen sehr gutes Gebäck in einer Bäckerei, deren Einrichtung so alt ist, dass die UNESCO vermutlich bald vorbei kommt, um den Weltkulturerbe-Status zu prüfen.

Hier noch ein paar viel zu schöne Stilblüten aus Riga:

Spezialgeschäfte in Polen

Heute war Regentag, also sind wir in Kwidzyn geblieben.

So wie der Deutsche seinen Vino am liebsten im kleinen italienischen Feinkostladen kauft, scheint auch der Pole seine Spezialgeschäfte mit Nationalitäten zu verbinden.

In diesem Fall ist uns aufgefallen, dass original Deutsche Chemikalien (also Wasch- und Putzmittel¹) hier etwas ganz besonderes sind:

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Diese Läden führen dann zum Beispiel Direkt-Importe (d.h. Edeka Eigenmarke „gut und günstig“) oder große Marken mit schwarz-rot-goldenem Aufkleber der die „deutsche Formel“ anpreist.

¹ Haribo und Capri-Sonne hat dieser Laden auch. Im weitesten Sinne also korrekt.