Archiv des Autors: Frederik

Budapest

Sight-seeing ist nicht. Kirchen, Museen und Parlamentsgebäude (wenn auch sehr ansehnlich), interessieren unsere Kinder einfach nicht. Wir gehen also erstmal shoppen und erledigen das Nötigste. Dann wollen wir auf den Spielplatz.

Die U-Bahn M3, wie offenbar auch jedes andere öffentliche Verkehrsmittel hier, ist barrierefrei begehbar mit extra Sitzen für Rollstuhlfahrer oder Kinderwägen. Allerdings nur wenn man langen Treppen bzw. die steile, lange Rolltreppe überwunden hat (sie erinnert mich an Bochum). Also wird geschleppt.

Wir fahren also zum Decathlon, zum dm und zum Mountex. Wir wollen ein anderes Zelt. Und Stühle. Motto kriegt außerdem einen neuen Ball und seine Geburtstagsgeschenk will noch gekauft werden. Zum Mittag gibt es Gyros Tortilla (in Deutschland bekannt als Dürüm Döner).

Wir versuchen auf andere Weise zurück bzw zum Spielplatz zu kommen, aber die M3 überrrascht mit einer Rampe fast bis zum Gleis, wir müssen also nur halb- zumindest beim einsteigen.

Der „Spielplatz“ stellt sich als einsame Schaukel heraus. Wir suchen den nächsten auf…er ist ähnlich ausgestattet. Seufz.

Ich gehe kurz einkaufen – heute gibt es Salat – und zurück auf dem Spielplatz sitzt meine Familie auf neuen Campingstühlen.

Wir bauen die Stühle gemeinsam ab (Motti kann dsd schon alles alleine, beteuert er) und lassen den Tag ausklingen.

Reisen mit dem Zug

Am Mittwoch wollten wir zum Bahnhof Budapest Deli und von dort mit dem Zug weiter. Zunächst aber regnete es etwas, so dass wir bei den Bikern blieben und etwas langsamer vorgehen. (Das Zelt wurde planmäßig zeitig vor Regeneinbruch abgebaut).

Am Bahnhof (komplett andere Seite der Stadt) angekommen, machen wir die gleiche Erfahrung wie schon am Vortag: Barrierefrei ist hier nix. Muttis mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer bleiben offenbar zurück. Wir suchen uns ne stille Treppe und ich trage alle Sachen nach oben.

Oben angelangt sagt die Frau am Infoschalter, dass der Fahrradanhänger nicht in den Zug kann. Herrlich. Nach ein bisschen hin- und her auf deutsch und englisch, stellt sich das irgendwie als Missverständnis heraus und wir gehen zum Gleis. Der Zug ist schon da und der Eingang ist schmal und etwas erhöht. Ich zähle etwa vier Treppen-, nein, Leiterstufen.

Ein freundlicher Bahnmitarbeiter geht jedoch zielsicher zur Mitte(!) des Wagons und öffnet eine riesige Schiebetür. Dahinter verbirgt sich ein riesiges, leeres, Fahrradabteil.

Mit seiner eifrigen Hilfe ist alles schnell verladen und wir fahren glücklich in Richtung Balaton. Das ursprünglich angekündigte Umsteigen auf halber Strecke fällt irgendwie auch aus. Nach etwas mehr als zwei Stunden sind wir da. Nochmal alle Räder raus. Zum verlassen des Bahnhof nehmen wir wieder diverse Treppen.

Der angepeilte Zeltplatz ist ein bisschen entfernt, also satteln wir auf.

Wow, hier am Zeltplatz gibt es Kettcars, nen Tennisplatz und tausende von Leuten. Der Platz ist riesig. Von der Rezeption zum Platz für Zeltende fahren wir beinahe einen Kilometer. Man ist hier was los. Trotz Kettcars, beschließen wir hier nicht bleiben zu können. Die Autos dürfen neben den Zelten stehen, hier ist total viel Verkehr, auch wegen der irren Länge des Platzes.

Zum Abendessen gibt es Nudeln mit Soße. Motti hilft beim spülen und danach spielen wir mit den polnischen Nachbarn Fußball. Dzien dobre! Dziekuje. Mehr erinnere ich nicht mehr.

Dann regnet es nochmal und wir gehen schlafen.

Die Wasserrutsche sah im Prospekt leider hat anders aus.

Wir beschließen einstimmig weiter zu fahren, auch wenn der Bub gerne Kettcar fahren würde, die Kettcars sind aber ohnehin ständig von großen Kindern belegt.

Abschiede

Heute sind wir von Vilshofen bis Passau und dann von Passau bis Oberzell gefahren.

Wir haben nur noch ein einziges Feuchttuch, aber die Kinder stört das nicht. Sie verdauen wie die Weltmeister. Zum Glück haben wir uns mit den netten Neustädtern zusammen getan, so dass wir nicht gänzlich verloren waren. Nach dem Frühstück packen flott zusammen, damit wir es zum Mittag bis nach Passau schaffen. Die kleine Biene wird kurz vorher wach – weil die Windel schon wieder voll ist. Mannometer. Kurzer Boxenstopp an der Schleuse (Motto lernt, wieso es das gibt) und weiter. Wir picknicken am letzten Zipfel von Passaus Altstadt, wo Inn, Ilz und Donau zusammen fließen. Wir klingeln eifrig Donauschifftouristen vom geteilten Fahrrad/Fußweg und ich kaufe im Bäcker, der neben einer Schule liegt, die letzten guten Brötchen weg. Herrlich!

Dann heißt es jedoch leider Abschied nehmen. Unsere Weggefährten fahren weiter nach Innsbruck (oder Salzburg? Auf jeden Fall zur Adria).

Der Weg von Passau bis Oberzell führt an einer fiesen Schnellstraße vorbei. Zwar mit separatem Radweg, aber eben sehr laut und unangenehm. Die Kinder schlafen, daher fahren wir einfach nur stur durch. Jannah merkt an, dass dir Donau die Farbe gewechselt hat, und wir fahren an der Firma ZF vorbei, die offenbar riesig ist. Wir kombinieren: Automobilzulieferer.

Zum Abendessen gibts Kartoffeln mit Dill-Joghurt-Quark und Maiskolben. Letzteres finden die Kinder großartig. Übertroffen wird es aber von den Johannisbeeren, die es zum Nachtisch gibt.

Kleines Abendgespräch:

Motti: „Ist das Mais?“

Mutter: „Das ist eine Yucca-Palme.“

Motti: „Warum juckt die?“

Geselligkeit in Deggendorf

Der Eindruck unserer spektakulären Bleibe in Straubing wird auch beim Frühstück nicht mehr getrübt. Es gibt Orangennektar und Schokohörnchen in Plastikverpackung.

Wir verlassen Straubing also zeitig und freuen uns auf weiterhin viel, viel Rückenwind. Motti sitzt wieder vorn am Lenker und macht aus allem und jedem der uns entgegen kommt eine Warum-Frage. Ich erkläre Pferdeäpfel, Ähren und Gülle als Dünger. Jannah pflückt ihm Kamille, an der wir ausführlich schnuppern. Außerdem werden hier Ziegen an der Leine spazieren geführt. Motti: „Warum denn Ziegen?“, Vater: Ahnungsloses Stammeln.

Zum Mittag kehren wir irrtümlicherweise in einem Lokal ein, dass nur vier festgewachsene Kartenspieler beinhält. In Bayern spielt man mit deutschem Blatt. Wir bleiben also inhaltlich außen vor. Es gibt allerdings 3 Plakate von stolzen Blättern und wer sie bekam bzw gegeben hat. 1990 1992 und sonst wann hatte jemand ein „Sie Tout“ (Schafskopf also).

Nach einem schnellen Kaffee wechseln wir also auf den gegenüberliegen Spielplatz und essen unsere in Straubing bei einer Brotboutique gekauften Brötchen. Motti turnt ausführlich herum und die Biene übt nochmal, im Sandkasten zu robben.

Auf einmal sehen wir zwei Reiseradler mit Kind im Anhänger vorbeizischen. Wir winken intensiv und sie gesellen sich dazu. Martin und Monika aus Neustadt (Donau) sind seit zwei Tagen unterwegs und verbringen ihre Elternzeit auch auf dem Rad. Für sie geht es nach Passau weiter Richtung Italien, aber für heute ist Deggendorf unser aller Ziel. Ihr Mädchen ist etwas über einen Jahr alt und fährt auch gern Anhänger.

Wir besprechen ausführlich, was einen als Eltern beim Radwandern so bewegt: Schlafzeiten und Essgewohnheiten der Kinder, Kilometer pro Tag, Steckenziele und natürlich Packlisten. Wir fahren gemeinsam weiter aber lösen uns wegen unterschiedlich schlafender Kinder als Gruppe gleich schon wieder auf.

Dank Rückenwind sind wir schon vor vier Uhr in Deggendorf. Unsere Kinder schlafen noch fest und wir suchen einen Einkaufsladen. Da entdecken wir glatt einen neuen, super schönen Spielplatz. Also: Planänderung. Papa fährt alleine einkaufen (er vergisst die Feuchttücher) und die Kinder werden nochmal gelüftet. Motto muss stark überredet werden, aufzustehen.

Nach ausgiebigem Spielen, fahren wir zum Zeltplatz und treffen die anderen. Hier wird schon intensiv angegrillt, wegen Fußball. Hätten wir das gewusst, es wäre beim Einkauf berücksichtigt worden. So gibt es nun Kartoffeln mit Kirschtomaten und Würstchen. (Statt Grillzeug, wie bei den anderen.).

Die Camper hier sind sehr gesellig, und bieten Jannah ein Stamperl an (Schnaps?). Ich werde gefragt ob ich Fan sei, wir müssen auf jeden Fall zur Leinwand kommen, ich könnt ja noch ein Halbes trinken. (Der Bayer nennt das 0,5l Bier hier ein Halbes). Ich versichere total dabei zu sein und gerne dazu zu kommen. Nachdem ich mit Motto geduscht habe, verstecke ich mich im Zelt. Die Assimilation fällt mir schwer.

Jannah besteht darauf, dass ich erwähne über einen toten Igel gefahren zu sein, sie dazu: „Wenn der Reifen kaputt geht, reparierst du ihn aber!“

Von Tuttlingen nach Hausen

Der heutige Tag war landschaftlich sehr schön. Wir sind über Nenndingen, Friedingen und Beuron nach Hausen gekommen. Leider haben wir in Tuttlingen vergessen, den Schlüssel für die Duschen wieder abzugeben. Müssen wir also bald nochmal zur Post. Der Pfand ist dann wohl für die Kaffeekassse.

Kurz hinter Friedingen machen wir ein Picknick beim Vesperstübchen Ziegelhütte (argh, Mittwochs Ruhetag). Es gibt also mitgebrachten Apfel und Restmelone. Über die geschlossene Gastronomie trösten uns die Gänse und Ziegen hinweg. Stellt sich raus, Melonenschale schmeckt den Ziegen nicht so gut.

Der lange Tag

Gestern haben wir viel erlebt. Wir kaufen im (wie gesagt in Deutschlanda umsatzstärksten) Edeka noch für den Tag und verlassen Jestetten.

Wir sehen den Rheinfall. Er ist toll, aber längst nicht so breit wie der Wasserfall in Kuldiga.

Danach verlassen wir bei Schaffhausen den Rhein, und fahren mit dem Zug. Wir kommen nur zehn Minuten vor Abfahrt an und schaffen es dennoch die Räder aufs richtige Gleis und gültige Tickets zu erwerben. In Singen schaffen wir es dann auch noch in weniger als 18 Minuten und trotz defektem Aufzug das Gleis zu wechseln und die Kinder zu wickeln.

Nun mit dem Regio also nach Donaueschingen zur Donau-Quelle. Die Quelle ist ein touristisches Becken mit ein bisschen Tand und einen Aufzug. Wir machen das obligatorische Foto und fahren weiter. Wir bemerken, dass wir jetzt offenbar im Schwarzwald sind.

Dem Gegenwind zum trotze fahren wir weitere 30km bis hinter Immendingen zur Donauversinkung. Hier verschwindet die Donau an etwa 150 Tagen im Jahr in ein weit reichendes Höhlensystem. Heute war nicht so ein Tag. Motti findet es klasse und wirft ordentlich Steine rein.

Zum Abendessen gibts selbst gemachtes Risotto a la Zelting. Die Kinder essen kräftig mit. Die Biene findet Brei längst nicht mehr spannend. Abends schlafen wir auf einem sehr netten Radlerrastplatz, wo tatsächlich auch Saitanburger angeboten werden….

Es geht wieder los

In aller herrgottsfrühe sind wir aufgestanden. Nach Titel Frühstück und nachdem die letzten Sachen eingepackt wurden (Zahnbürste, Püppi), fuhren wir mit dem Zug nach Berlin-Schönefeld.

In mühevollster Kleinstarbeit, wird nun das Gepäck flugbereit gemacht. Die Fahrradreifen verlieren etwas an Luft, wegen des Drucks im Flieger und die Pedale kommen auch ab.

Andere nehmen derweil ein kleones Frühstückchen ein. Das Bienchen sitzt im Tragetuch und schläft.

Wir sind gut in der Zeit. Gleich fliegen wir los.

Tallinn (Handarbeiten – Handicraft- Käsitöö)

In Talinn schlafen wir im Hotel und wollen uns so langsam wieder wie echte, normale Menschen vorkommen. Dass wir mit Campingausrüstung und dreckiger Kleidung in der Hotellobby aufkreuzen und fragen, ob man denn die Fahrräder auch irgendwo drinnen unterbringen könne, gibt natürlich sehr konsternierte Gesichter. Aber das Personal hat scheinbar früh gelernt, dass man hier Haltung bewahren muss. Wir wechseln schnell von Outdoorkleidung in „normale“ Kleidung und gehen zur Abwechslung mal zu Fuß.

Das Thema Handarbeit hat uns in Estland lange begleitet. Jedes Dörfchen verkauft etwas in seinem Touristeninformationsbüro. Es gibt wunderschöne Wollsocken, Handschuhe, Mützen und Schals in den tollsten Mustern.

In Tallinn ist sogar jeder zweite Laden so ein Souvenir- & Handarbeitengeschäft. Jannah spielt Memory mit sich selbst und erkennt die gleichen Produkte überall wieder. Ob die wohl wirklich alle mit der Hand und in Estland gefertigt wurden?
Nebenher gucken wir uns natürlich auch die Altstadt an und unzählige deutsche Touristen. In Talinn bleiben wir zwei Nächte und am ersten Tag finden wir ein tolles vegetarisches Restaurant. Ich esse brav einen Salat und Jannah bestellt sich eine Marokkanische Suppe mit Lammfleisch. Zum Nachtisch wähle ich einen Schokokuchen, der so schokoladig ist dass er durch die Schlagsahne obenauf leichter wird.

Motti badet voller Freude in einer echten Badewanne und geht früh schlafen. Ich recherchier, was man in Talinn am nächsten Tag (ein Montag) noch so sehen könne und finde ein spannendes Museum.
Am nächsten Tag gibt es dann einen Park zu sehen in dem viele Museen sind (Montags geschlossen). Wir spazieren außerdem durch die Altstadt und essen nochmal estnisches Essen. Parallel laufen viele Leute hektisch und schnell mit Karte durch die Gegend. Aber das sind gar keine Touristen! Die Meisterschafen für Orientierungslauf sind in Tallinn.Am Ende des Tages gehen wir früh ins Bett, denn der Flieger geht schon früh um 13:55 Uhr und da will einiges vorbereitet sein.

Am nächsten Tag müssen wir nach schnellem Frühstück wieder alles auf die Fahrräder laden und finden einen ziemlich verkehrsarmen Weg zum Flughafen. Ich schiebe Motti durch die Gegend und Jannah baut unsere Fahrräder um: Die Lenker werden um 90° gedreht, der Sattel muss runter und dann wird Luft aus den Rädern gelassen. Ich organisiere Altpapierkartons aus dem Müll und Frischhaltefolie aus dem nahegelegenem Superhypermarkt (er ist wirklich riesig). Dann wird alles eingewickelt.

Unser Gepäck wird eingecheckt, dann wird unser Sperrgepäck eingecheckt. Dann stellt sich raus, dass unser Fahrradwerkzeug nicht mit an Bord darf und Jannah schafft es unseren „Koffer“ zurück holen zu lassen, damit wirklich nichts und niemand im Flugzeug mit einem Zangenschlüssel geschraubt wird.
Motti schläft im Flieger erstaunlich gut und nach nur fast zwei Stunden landen wir in Berlin-Tegel. Hier verbringen wir eine gute Stunde mit dem Auspacken und erneutem Beladen unserer Fahrräder.

IMG_20160809_162858Der Weg von Tegel ist sehr autofreundlich, so dass wir versuchen durch das Parkplatz- & Privatgelände eines Hotels auf einen weiter hinten gelegenen Fahrradweg zu kommen. Die Fußgängerschranke ist allerdings so eng und fies gebaut, dass wirklich nur Fußgänger durchkommen. Also laden wir wieder ab und tragen unsere Räder über die Schranke.

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Schlussendlich kommen wir zu Hause an und entladen unsere Räder wirklich zum letzten Mal. Zum Abendbrot gibt es ausnahmsweise Nudeln mit roter Soße und dann geht das Kind baden. Unsere Wohnung versinkt im Chaos und es gibt viel aufzuräumen aber wir sind total froh wieder hier zu sein.

Dinge die wir auf unserer Reise verloren haben

  • Jannahs Mütze
  • Frederiks Handtuch
  • jegliche Vorurteile gegenüber Osteuropa

Abschied vom Meer

Der Weg von Paldiski bis Tallinn ist kurz, aber wir wollen noch eine Nacht am Meer verbringen. Also vertrödeln wir die Zeit mit Einkaufen und besichtigen einen Wasserfall. Außerdem treffen wir mal wieder auf andere Reiseradler und es wird etwas gefachsimpelt. Die Packung Haferkekse esse ich (Frederik) fast ganz alleine.

Dann finden (samstagabends) den letzten Zeltplatz vor Talinn, an einem Strand.
Nachdem wir froh sind, dass es gar nicht so voll ist bauen wir zügig das Zelt auf und stellen es in den Wind, damit wir es zum Schluss nochmal gut durchlüften können. Ebenso hängen wir unsere Wäscheleine auf, damit unsere feuchte Kleidung (Jannah hatte am Vortag gewaschen) endlich trocknet.
Erst als alles aufgebaut ist, stellen wir fest, dass wir etwas falsch stehen. Der Tatsächliche Platz ist circa 500m weiter rechts, auf der anderen Seite der Straße. Aber das macht jetzt nichts mehr.

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Weiter hinten am Strand gibt es ein Strandcafé und Jannah bemerkt, dass jemand verdächtig viel Styroporkartons mit Gefriergut auslädt. Bei weiteren total unauffälligem Rundgängen meinerseits stellt sich heraus dass hier heute abend ein vierzigster Geburtstag gefeiert wird. Jannah und ich genießen den letzten Sonnenuntergang am Meer mit alkoholfreiem Dunkelbier und Partymusik von nebenan. Eine Live-Band spielt Rock-Klassiker mit Estnischem Text. Jannah glaubt „Rolling on the River“ erkannt zu haben. Nachts um zwei wird dann nochmal lautgedreht und auf Techno umgestiegen. Schade eigentlich.

Paldiski

Nachdem wir ausführlich die Natur gesehen haben, führt uns unsere Strecke mal wieder durch eine Stadt. In Paldiski stoßen wir auf eine sehr, sehr traurige, heruntergekommene Stadt, die nur noch von ihrem (seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht mehr so bedeutungsvollem) Hafen und dem Armeestützpunkt lebt. Letzteres erklärt immerhin die vielen lauten Kampfflugzeuge, der vorherigen Tage.

Paldiski lädt, wie gesagt, zum weiterfahren ein. Das Café, das unsere Karte kennt gibt es nicht mehr, so dass ich (Frederik) kurz einkaufe und wir weiterfahren wollen. Aber halt! Wir entdecken das Schild für ein Museum und finden das sehr schöne ehemalige Sommerhaus eines berühmten Estnischen Bildhauers mit Garten. Nach kurzer Besichtigung des Hauses (nur 65m²) machen wir ein ausgiebiges Picknick im Garten und Motti probiert ob die heruntergefallenen Äpfel schon essbar sind (leider nicht).

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Auf einmal kommt die junge Frau, die das Museum beaufsichtigt und fragt ob sich zufällig einer von uns mit Computern auskennt, denn ihr Internet geht nicht. Ich prüfe heldenhaft ob ihr Netzwerkkabel richtig drin steckt und schon geht es wieder. Zur Belohnung gäb es einen der besseren Äpfel (ich lehne ab) und sie empfiehlt uns auf jeden Fall bis zum Meer rauszufahren, weil die Halbinsel hinter Paldiski eine sehr schöne Natur bietet.
Genau das haben wir auch vor!

Als nächstes geht’s also wieder in Richtung Küste. Neben weiterem MIlitärsperrgebiet sehen wir den Leuchtturm und ein einsames Café mit schönem Blick aufs Meer. Die Fahrradstrecke wird dann doch nochmal anstrengend, und wir schieben unsere Räder ächzend durch Sand und werden von Mücken verfolgt. Am Ende werden wir allerdings belohnt: Unser Naturzeltplatz ist wieder direkt am Meer und sehr einsam. Ich baue das Zelt auf und dann beginnt der Regen, so dass wir mit Motti ins Zelt fliehen und dort etwas spielen. Nach etwa einer Stunde setzt der Regen aus und wir können mit unserem gewohnten Programm weitermachen.

Kurz nachdem wir aus dem Zelt gekrochen kommen, erhalten wir allerdings doch noch Besuch. EIn Deutsch-Französisches Paar aus der Bretagne bzw. Gevelsberg, die soeben aus Tallinn gekommen sind und ebenfalls sehr über den Weg fluchen.
Jannah macht währenddessen ein Lagerfeuer und es gibt Nudeln. Dann wird Meerwasser im Kochtopf erwärmt, damit das Kind baden kann und die Nachbarn gehen früh schlafen.

Als alle anderen im Bett sind, entscheiden Jannah und ich nochmal ein letztes Mal ins Meer zu springen und uns am Lagerfeuer aufzuwärmen. Das Meerwasser ist angenehm und die Mücken freuen sich auch.