Der kurze und gute Tag

Heute kommen wir nur schwer raus. Endlich sind alle eingecremt und abfahrbereit und wir brausen los. Hier gibt es viele schöne Holzbrücken.

Und auch nicht so schöne, aber immerhin praktische Stahlbrücken.

Wir fahren nach Tuttlingen und erledigen Dinge. Wir schicken ein paar der dicken Wintersachen nach Hause, kaufen ein neues Ladekabel für Freddy und ein neues Rücklicht für mich. Auch der Anhänger bekommt eine neue Fahne, ein Teil der alten ist nämlich im Freibad geblieben. Achja, Freibad! Dort verbringen wir den Nachmittag mit Schwimmen und Wassermelone.

Heute zelten wir mitten in Tuttlingen. Motti und ich haben gemeinsam Nudeln mit Paprika-Oliven-Tomatensoße und frisch geriebenem Parmesan gekocht. Mit uns zelten heute Lichtensteiner, Franzosen und ein Schotte. Gestern gesellte sich noch ein Argentinier zu uns, wir freuen uns mit netten Menach zu quatschen. Motti lernt Oui und Yes und hat schnell ein Muster erkannt. Er antwortet jetzt auf die erste Frage immer mit seinem Namen und auf die zweite mit seinem Alter, auch wenn er überhaupt gar nix verstanden hat. Schlaues Kind 🙂

Platsch!

Heute haben wir Vieles richtig gemacht. Wir sind entspannt in den Tag gestartet und haben gleich nach dem Frühstück unsere Räder wieder den Berg hinauf geschoben, den wir gestern Abend hinunter gesaust sind. Die Sonne hat uns sehr zu schaffen gemacht, es gab wenig Schatten, dafür aber viele Steigungen… Nach nicht einmal 10km waren wir schon ziemlich im Teich und wollten eine Kaffee/Spielplatz-Pause machen. In Rafz (Schweiz) war gerade die Kirche aus und wir fragten die Kirchgänger nach einem Cafe. „Na, bei uns bekommt ihr Kaffee!!“, antworteten sie. Wir also hinterher und siehe da, es war Gemeindefest mit Spendensammlung für syrische Flüchtlinge. Wir aßen feinstes Spargel- und Käserisotto und Erdbeerkuchen und Motti gewann einen Flummi beim Fädenziehen. Eine Freude!

Der Erdbeerkuchen wurde dann mit Hilfe des Flummis gleich in Energie umgesetzt. Geschafft ging es weiter (nun fast nur noch bergab) nach Jestetten. Hier gibt es ein Freibad mit Zeltplatz und wir schlafen heute quasi neben dem Planschbecken. Motto hat alle drei Rutschen in Grund und Boden gerutscht. Das reinste Vergnügen. Wir essen Melone und Schwimmbadpommes und freuen uns auf die morgigen Brötchen vom umsatzstärksten Edeka Deutschlands, weil Mal wieder kurz hinter der deutschen Grenze und von der Schweiz umringt.

Gemeindefest in Rafz, alle sind noch drinnen beim Risotte essen.

Hier noch das Bild von gestern Abend. Wir waren ganz schön fertig.

Deppen…

Da habe ich doch glatt vergessen, zu schreiben, was es gestern zu Abend gab. Ein wahres Festmahl. Kartoffeln mit Kräuterquark, dazu Gurkensalat uuuund Rostbratwürstchen mit Paprika. Ein Fest für die ganze Familie.

Heute morgen sind wir wieder gut raus gekommen, der Vormittag war ziemlich Ereignisarm, Pause machen wir in Waldshut auf einem Minigolfplatz, unseren Campingplatz gab es wieder nicht und den nächsten dann auch nicht. Also ist wieder alles wieder viel zu spät geworden und für morgen ist ein kurzer Tag geplant. Heute schlafen wir neben einem Bach in Hohentengen.

#hier fehlt ein foto#

Es fällt auf: E-Bikes sind echt eine Seuche, Radkreuzfahren auch. Bei so einer Kreuzfahrt wird einem die Kajüte hinterhergefahren, während man (und damit meine ich Rentnerpärchen im Partnerlook) mit dem E-Bike nebenher fährt. Brrr.

Zu Abend gab es Gemüseeintopf mit Würstchen und wieder Gurkensalat. Die Biene war begeistert. Neben uns zelten heute zwei nette Tasmanen, deren Kinder schon 50 sind und wir tauschen uns angeregt über diese und weitere Strecken aus.

Achja. Wir würden noch nicht einmal überholt! Anscheinend sind wir echt schnell oder die einzigen Deppen, die den Rhein hoch und nicht runter fahren…

Die schnelle Hose

Motti hat gelernt den Brunnen auf dem Zeltplatz alleine zu bedienen. Also war seine Hose nass. Ich meinte, das wär okay, weil seine Hose schnell trocknet. Wie faszinierend! Die Hose ist schnell. Motti ist zu Recht begeistert.

Der Weg aus einer großen Stadt ist hàufig nicht leicht. Wir fluchen und verfahren uns. Ein netter Schweizer meint, der Weg sei zu kompliziert zum erklären und geleitet und kurzerhand kreuz und quer durchs Hafengelände, obwohl er in die ganz andere Richtung muss. Motti erklärt ihm, dass er eine schnelle Hose hat.

Endlich auf der Nordseite des Rheins und auf unserem Radweg angekommen brettern wir los. Alles so beschaulich hier, fast schweizerisch… Sind wir doch glatt unbemerkt schon wieder in die Schweiz gefahren… Selbst die Chemieparklis sind hier adretter.

Wir pausieren an einem Spielplatz mit Altenheim, Kaffee erst ab 14:00. Ich grummele.

Wir planen heute ca. 40km zu fahren, Teile des Radwegs sind gesperrt und wir wechseln Mal wieder auf die Schweizer Seite. An unserem Zielort angekommen macht die lokale Pizzaria erst und 17:00 Uhr auf, wir ziehen weiter und essen Kuchen auf einem Aldiparkplatz. Egal, Hauptsache Pause! Nur noch wenige Meter hohe zu unserem Zeltplatz, der, wie wir dort angekommen feststellen, nicht existiert. Also noch 20km weiter. Wir schnaufen und sind ziemlich fertig, nur die Biene ist bester Laune. Jetzt schlafen wir auf einem Natur-Zeltplatz bei Murg und freuen eine auf den morgigen Tag mit hoffentlich kürzerer Etappe.

Heute gesehene Boule-Bahnen: 2

„We create chemistry“

Basel hat einen der schönsten Chemieparks Europas. Definitiv in den Top 18.

Heute gehen wir auf Nummer sicher und bleiben in Basel, denn schließlich sind Unwetter angesagt.

Bei schönstem Sonnenschein radeln wir also rüber in die Schweiz nach Basel und durchqueren dabei besagten Chemiepark. Die Baseler Altstadt hingegen ist ziemlich hübsch. Wir investieren ungefähr die Hälfte unserer Reisekasse in ein Erbeertörtli für Motti und eine Tasse Kaffee für mich. Mhhh. Vom Altstadtrundgang bekommt der Bub nichts mit, so haben wir viel Zeit mit schlafendem Kind zu flanieren.

Uns fällt auf: Hier stehen an jeder Ecke die dollsten Fahrräder, aber keins ist irgendwo fest geschlossen und wenn überhaupt nur mit einem Mini-Schloss abgeschlossen. Wahrscheinlich ist Fahrraddiebstahl in der Schweiz verboten.

Ab drei soll es regnen, also fahren wir gegen halb drei zum Zeltplatz zurück und bauen das Plantschbecken auf, um uns die Wartezeit zu vertreiben. Die Kinder haben eine gute Zeit und wir Eltern holen uns einen leichten Sonnenbrand.

In Basel war ich einkaufen (kein Feiertag). Feldsalat für 4,5 CHF ging irgendwie nicht, also gibt es heute Nudeln mit einer Soße aus bezahlbaren oder noch vorhandenen Dingen, sprich „Tomaten-Oliven-Walnuss-Soße“, dazu anbebratene Kirschtomaten und Mozzarella. Liest sich verboten, war aber durchaus essbar.

Kurz nach dem Essen setzte dann auch endlich das Gewitter ein. Nun sind die Kinder im Bett und wir gehen spülen (genaugenommen Freddy, auch weil er einen Ohrenkneifer in meinem Schlafsack verloren hat).

Na, das geht ja gut los…

Unser Flug hatte etwas Verspätung. Motti hat seinen Mittagsschlaf mit Ach und Krach hinauszögern können, will nun aber endlich ins Flugzeug, weil man da schlafen kann. Man konnte in den Gesichtern derjenigen, die mit uns am Gate auf den Flug warteten, ablesen, dass alle hofften nicht in der Nähe von uns und unseren nörgenden Kinder zu sitzen. Endlich in der Maschine, schlafen beide dann ein, noch bevor alle Passagiere eingestiegen sind…Motti fragt bei der Landung, ob wir nun hoch fliegen. Pustekuchen.

In Basel angekommen haben wir unsere Fahrräder gleich gefunden. Meines hat zwar einiges abbekommen, das meiste ließ sich wieder hinbiegen und ein neues Rücklicht wird sich sicher auch irgendwo finden lassen. Es gab eine elektrische Pumpe, was auch ganz gut war, weil ich anscheinend die falsche Pumpe eingepackt habe.

Schnell alles wieder auf die Räder aufgeladen und schon gegen halb sieben verlassen wir den Flughafen. Gut, dass ich den Weg zum Zeltplatz genau geplant habe. So können wir direkt Durchbrausen. Unser Zeltplatz ist in Frankreichund Motti ist mit Papa nochmal schnell nach Deutschland rüber, Spiritus kaufen. Die Biene und ich bleiben am Zeltplatz und fangen schonmal an aufzubauen. Die netten Nachbarn kochen uns Wasser für den Brei, ich baue das Zelt auf und schon fängt es an zu donnern. Schnell, schnell alles ins Zelt geworfen. Aber! Bienes Schnuller liegt noch im Anhänger! Bereiten wir also in Ruhe alles vor, während die Jungs jenseits der Grenze im Einkaufszentrum festsitzen. Es schüttet wie aus Eimern. Kaum ist der Regen vorbei, sind die Jungs auch schon wieder da. Wir packen die Kinder ins Bett und gehen endlich duschen. Dann trinken wir ein alkoholfreies Pannasche und denken über morgen nach, es soll nämlich schütten.

Kurzfassung: Alles gut, endlich Urlaub!

Es geht wieder los

In aller herrgottsfrühe sind wir aufgestanden. Nach Titel Frühstück und nachdem die letzten Sachen eingepackt wurden (Zahnbürste, Püppi), fuhren wir mit dem Zug nach Berlin-Schönefeld.

In mühevollster Kleinstarbeit, wird nun das Gepäck flugbereit gemacht. Die Fahrradreifen verlieren etwas an Luft, wegen des Drucks im Flieger und die Pedale kommen auch ab.

Andere nehmen derweil ein kleones Frühstückchen ein. Das Bienchen sitzt im Tragetuch und schläft.

Wir sind gut in der Zeit. Gleich fliegen wir los.

Tallinn (Handarbeiten – Handicraft- Käsitöö)

In Talinn schlafen wir im Hotel und wollen uns so langsam wieder wie echte, normale Menschen vorkommen. Dass wir mit Campingausrüstung und dreckiger Kleidung in der Hotellobby aufkreuzen und fragen, ob man denn die Fahrräder auch irgendwo drinnen unterbringen könne, gibt natürlich sehr konsternierte Gesichter. Aber das Personal hat scheinbar früh gelernt, dass man hier Haltung bewahren muss. Wir wechseln schnell von Outdoorkleidung in „normale“ Kleidung und gehen zur Abwechslung mal zu Fuß.

Das Thema Handarbeit hat uns in Estland lange begleitet. Jedes Dörfchen verkauft etwas in seinem Touristeninformationsbüro. Es gibt wunderschöne Wollsocken, Handschuhe, Mützen und Schals in den tollsten Mustern.

In Tallinn ist sogar jeder zweite Laden so ein Souvenir- & Handarbeitengeschäft. Jannah spielt Memory mit sich selbst und erkennt die gleichen Produkte überall wieder. Ob die wohl wirklich alle mit der Hand und in Estland gefertigt wurden?
Nebenher gucken wir uns natürlich auch die Altstadt an und unzählige deutsche Touristen. In Talinn bleiben wir zwei Nächte und am ersten Tag finden wir ein tolles vegetarisches Restaurant. Ich esse brav einen Salat und Jannah bestellt sich eine Marokkanische Suppe mit Lammfleisch. Zum Nachtisch wähle ich einen Schokokuchen, der so schokoladig ist dass er durch die Schlagsahne obenauf leichter wird.

Motti badet voller Freude in einer echten Badewanne und geht früh schlafen. Ich recherchier, was man in Talinn am nächsten Tag (ein Montag) noch so sehen könne und finde ein spannendes Museum.
Am nächsten Tag gibt es dann einen Park zu sehen in dem viele Museen sind (Montags geschlossen). Wir spazieren außerdem durch die Altstadt und essen nochmal estnisches Essen. Parallel laufen viele Leute hektisch und schnell mit Karte durch die Gegend. Aber das sind gar keine Touristen! Die Meisterschafen für Orientierungslauf sind in Tallinn.Am Ende des Tages gehen wir früh ins Bett, denn der Flieger geht schon früh um 13:55 Uhr und da will einiges vorbereitet sein.

Am nächsten Tag müssen wir nach schnellem Frühstück wieder alles auf die Fahrräder laden und finden einen ziemlich verkehrsarmen Weg zum Flughafen. Ich schiebe Motti durch die Gegend und Jannah baut unsere Fahrräder um: Die Lenker werden um 90° gedreht, der Sattel muss runter und dann wird Luft aus den Rädern gelassen. Ich organisiere Altpapierkartons aus dem Müll und Frischhaltefolie aus dem nahegelegenem Superhypermarkt (er ist wirklich riesig). Dann wird alles eingewickelt.

Unser Gepäck wird eingecheckt, dann wird unser Sperrgepäck eingecheckt. Dann stellt sich raus, dass unser Fahrradwerkzeug nicht mit an Bord darf und Jannah schafft es unseren „Koffer“ zurück holen zu lassen, damit wirklich nichts und niemand im Flugzeug mit einem Zangenschlüssel geschraubt wird.
Motti schläft im Flieger erstaunlich gut und nach nur fast zwei Stunden landen wir in Berlin-Tegel. Hier verbringen wir eine gute Stunde mit dem Auspacken und erneutem Beladen unserer Fahrräder.

IMG_20160809_162858Der Weg von Tegel ist sehr autofreundlich, so dass wir versuchen durch das Parkplatz- & Privatgelände eines Hotels auf einen weiter hinten gelegenen Fahrradweg zu kommen. Die Fußgängerschranke ist allerdings so eng und fies gebaut, dass wirklich nur Fußgänger durchkommen. Also laden wir wieder ab und tragen unsere Räder über die Schranke.

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Schlussendlich kommen wir zu Hause an und entladen unsere Räder wirklich zum letzten Mal. Zum Abendbrot gibt es ausnahmsweise Nudeln mit roter Soße und dann geht das Kind baden. Unsere Wohnung versinkt im Chaos und es gibt viel aufzuräumen aber wir sind total froh wieder hier zu sein.

Dinge die wir auf unserer Reise verloren haben

  • Jannahs Mütze
  • Frederiks Handtuch
  • jegliche Vorurteile gegenüber Osteuropa

Abschied vom Meer

Der Weg von Paldiski bis Tallinn ist kurz, aber wir wollen noch eine Nacht am Meer verbringen. Also vertrödeln wir die Zeit mit Einkaufen und besichtigen einen Wasserfall. Außerdem treffen wir mal wieder auf andere Reiseradler und es wird etwas gefachsimpelt. Die Packung Haferkekse esse ich (Frederik) fast ganz alleine.

Dann finden (samstagabends) den letzten Zeltplatz vor Talinn, an einem Strand.
Nachdem wir froh sind, dass es gar nicht so voll ist bauen wir zügig das Zelt auf und stellen es in den Wind, damit wir es zum Schluss nochmal gut durchlüften können. Ebenso hängen wir unsere Wäscheleine auf, damit unsere feuchte Kleidung (Jannah hatte am Vortag gewaschen) endlich trocknet.
Erst als alles aufgebaut ist, stellen wir fest, dass wir etwas falsch stehen. Der Tatsächliche Platz ist circa 500m weiter rechts, auf der anderen Seite der Straße. Aber das macht jetzt nichts mehr.

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Weiter hinten am Strand gibt es ein Strandcafé und Jannah bemerkt, dass jemand verdächtig viel Styroporkartons mit Gefriergut auslädt. Bei weiteren total unauffälligem Rundgängen meinerseits stellt sich heraus dass hier heute abend ein vierzigster Geburtstag gefeiert wird. Jannah und ich genießen den letzten Sonnenuntergang am Meer mit alkoholfreiem Dunkelbier und Partymusik von nebenan. Eine Live-Band spielt Rock-Klassiker mit Estnischem Text. Jannah glaubt „Rolling on the River“ erkannt zu haben. Nachts um zwei wird dann nochmal lautgedreht und auf Techno umgestiegen. Schade eigentlich.